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Freitag, 11. Mai 2012

25062012 – fünfundzwanzigster Juno deux milles douze


Dieses Datum, der 25. Juni 2012, wird mein letzter regulärer Arbeitstag im „Maison Belot“ sein.

Am darauffolgenden Freitag, den 29. Juni 2012, wird mein Freiwilligendienst im Rahmen des französischen „Service Civique“ nach einem Abschlussseminar um 10 Uhr in Hohrodberg, nahe Colmar, zuende gehen.

Vertraglich gesehen wird mein Engagement in Beaucourt am Samstag, den 30. Juni 2012, aufhören. Da ich am Wochenende nicht arbeite, fällt dieser Tag weg.

15092012 – fünfzehnter September zweitausendzwölf


An diesem Tag im Herbst, den 15. September 2012, wird mein „Diakonisches Jahr im Ausland“ nach einem ein-wöchigen Rückkehrseminar der Länder Belgien, Schweden, Dänemark und Frankreich in Weimar endgültig vorbei sein.

Samstag, 5. Mai 2012

En fait, j`vais bien

Bitte fragt mich nicht, wo der April geblieben ist. Ich weiß es selbst nicht so genau. Es ist Mai, der Monat der (vielen) französischen Feiertage! I don't know how much time has past... aber sicher: 8 Monate sind nun hier in Frankreich vergangen und den Rest meiner verbleibenden Zeit lässt sich in Wochen und Tagen zählen. Normalerweise mache ich mir oft viel zu viele Gedanken über viele Sachen. Sei es ein verlorener Schlüssel, meine tägliche Arbeit, meine Zukunft als Studentin oder ....
Aber momentan geht es mir, ehrlich gesagt, einfach gut. Die Sonne strahlt wieder wärmend, ich gehe wieder laufen und den ganzen Rest drum herum vergesse ich mal kurz.

Auch das DJiA-Team hat uns Freiwilligen letztens per Mail geschrieben und einige Seminar-Fotos als Erinnerung online gestellt. Die Tage in Weimar und Eisenach kommen mir ewig vor und doch liegen sie gar nicht weit in der Vergangenheit.


Heute vor acht Monaten bin ich also fast bei null in Strassbourg angefangen. Nicht äußerlich, aber innerlich bin ich ziemlich gewachsen und das gilt es zukünftig weiterhin nach Außen zu tragen. Eigentlich bin ich auch stolz darauf. Ich bekomme jetzt von meinen Schützlingen immer öfter gesagt, dass ich bald gehen werde.

Während Estelle, Joelle im Urlaub sind und Madame Wallet abwesend ist bin ich allein im "Maison Belot" ohne Bezugsperson. Jean-Phillipe sagte es letztes Wochenende ganz richtig: "Mittlerweile bist du daran ja gewöhnt."


Vorgestern ist die schwer demente Mme B. von uns gegangen und ich bin glücklich darüber, dass sie im Tod ihre einzige Erlösung gefunden hat. Jetzt kann sie in Frieden ruhen und auf der zweiten Etage zieht Stille ein. Seit zwei Wochen war es in und vor ihrem Zimmer leiser geworden. Eines ihrer fünf Kinder war immer bis zum Schluss Tag und Nacht an ihrer Seite - ein Anblick, den man nur selten miterleben darf. Es muss schön sein, nicht allein zu sterben.

Ich lege euch noch einen neuen Blog-Eintrag ans Herz, der sich "Was heute schon für morgen tun" nennt und dessen Inhalt mir schon seit letzten Herbst durch den Kopf geht.

VORIGER BEITRAG: "Himmel, reiß auf"

Bisous, Lucie <3

Sonntag, 5. Februar 2012

DJiA-Zwischenbericht

Meine deutsche Entsendeorganisation, die Evangelischen Freiwilligendienste für junge Menschen FSJ und DJiA gGmbH, will wissen, wie es mir hier in Frankreich und in meinem Dienst ergeht. Welche Probleme es gibt, was positiv ist und welche Erfahrungen ich während der letzten Monate gemacht habe. Ich muss sagen, dass das Zusammenfassen auf nur zwei klitzekleine Seiten recht "chaud" (schwer) war. Letztlich habe ich vieles nicht einbringen können und mich hauptsächlich auf meine Arbeit bezogen. Ich denke, so schlimm ist das nicht, weil mein Bericht eventuell zur Öffentlichkeitsarbeit etc. der Organisation genutzt wird.

Hier also ein paar Auszüge meiner eigenen Lieblingsaussagen:

"In Frankreich informiere ich mich ausschließlich online, weil in den Lokalzeitungen Wirtschaft, Finanzkrise und Co. nur klein gedruckt auf der letzten Seite zu finden sind."

"Jeden Tag beginne ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht, weil mir die Arbeit Spaß macht und weil ich weiß, dass allein Freundlichkeit viel bewirken kann."

"Ich habe ein offenes Ohr für meine Schützlinge und kalte Hände. Aber kalte Hände deuten auf ein warmes Herz, sagen einige Altenheimbewohner."

"Ich habe Respekt vor diesen Menschen, weil sie an der „Endstation des Lebens“ angekommen sind – gezeichnet von leichter oder schwerer Krankheit, vom Verlust eines oder mehrerer geliebter Menschen."

"Allgemein gehe ich nun anders mit Schwierigkeiten um als früher. Das, was ich in Frankreich schaffe, könnte mir dann in Deutschland leichter von der Hand gehen."

"Nach Weihnachten in Deutschland merkte ich in Frankreich, dass man selbst in Gesellschaft ziemlich einsam sein kann."

"Krankheit kommt nicht erst im Alter...[..].."

"Das Gefühl dringend gebraucht zu werden hat nicht jeder meiner Mitfreiwilligen in Frankreich."

Gruesse, eure Lucie 

Samstag, 6. August 2011

Das Vorbereitungsseminar

Es gibt den Thüringer Wald, es gibt die originale Thüringer Wurst..., aber es gibt in Thüringen auch Eisenach. Diese Woche habe ich dort an meinem Vorbereitungsseminar für Frankreich teilgenommen. Nachdem ich am Montagvormittag mit dem Zug quer durch Deutschland gefahren bin, kam ich relativ spät in Eisenach an, sodass ich mit Jule (aus der Nähe von Stuttgart) und Samuel (aus Karlsruhe) - zwei meiner Mitfreiwilligen, die ich zufällig getroffen habe - in einem Taxi zum Neulandhaus gefahren bin. Thüringen ist eben nicht Schleswig-Holstein und dementsprechend war der "Aufstieg" an sich schon Zeit-beanspruchend und anstregend. Um 13:30 Uhr waren wir Drei pünktlich da, um uns anzumelden, ein französisches Namensschild und einen farbigen Aufkleber für unsere Arbeitsbereiche zu bekommen. Danach sind Jule und ich in unser Mehrbettzimmer eingezogen und haben Lilly (aus Nordfriesland) als Mitbewohnerin kennengelernt. Dank Facebook war das nicht das allererste Aufeinandertreffen.



Um 14 Uhr ging das offizielle Seminar-Programm los. Zuerst gab es für alle im Plenum eine Hausbelehrung seitens des Neulandhauses, das u.A. als brandgefährdet gilt. Es folgte eine Begrüßung vom DJiA-Team und ein kurzes Kennenlern-Spiel bei dem man sich u.A. gegenseitig einen französischen bise [einen Wangenkuss] gegeben hat. Für uns Freiwillige, die nach Frankreich gehen, selbstverständlich aber nicht unbedingt für die wenigen Belgier, Dänen und Schweden unter uns. Danach wurden Zweier-Teams gebildet und ein Steckbrief über den jeweils anderen geschrieben. Silja aus Osnabrück, mit der ich zusammengearbeitet habe, geht zum Beispiel nach Göteborg im schönen Schweden. Der erste Programmpunkt wurde mit einer Willkommens-Andacht vom DJiA-Team beendet.

Nach einer kurzen Pause wurden alle Seminar-Teilnehmer, um die fünfzig Leute, aufgeteilt. Es sollte nicht das letzte Treffen in den einzelnen Ländergruppen sein. Die ehemalige Frewillige Judith begrüßte uns Franzosen - mit 13 Teilnehmern die größte Ländergruppe - mit einer Flasche Wein und Käse. Ein lustiger Anfang war gemacht! Wir stellten uns nochmal im Einzelnen vor und in Team-Arbeit erarbeiteten wir, in welche französischen Regionen es für uns geht, was wir dort machen werden und was wir unbedingt während unseres Dientes machen wollen oder auf keinen Fall erleben möchten. Dabei habe ich erfahen, dass von den DJiA-Teilnehmern niemand mit mir nach Beaucourt geht, aber Luisa in Guebwiller im französischen Elsass noch am nächsten sein wird. Die meisten Frewilligen werden im Umland von Strasbourg, Paris, Bordeaux und Lyon eingesetzt. Um 18 Uhr gab es Abendessen, wobei an dieser Stelle erwähnt werden muss, dass das Neulandhaus eine wirklich gute, empfehlenswerte Unterkunft ist. Nach dem Essen wurden die Ländergruppen fortgesetzt. Unser jetziges Frankreich-Wissen haben wir mit zwei Spielen getestet. Gar nicht schlecht, unser Wissen! Über Themen wie französische Politik, Religion und nützliche SMS-Abkürzungen haben wir gesprochen und außerdem damit begonnen, ein französisches Lied für den sogenannten "Bunten Abend" am Donnerstag einzuüben. Das ging relativ schnell sogar relativ gut und hat allen viel Spaß gemacht. Zum Abschluss eines langen Tages hat unsere Gruppe das Spiel "Jungle Speed" gespielt und dabei habe ich natürlich genadenlos verloren ;D


Am Dienstag mussten wir früh raus, da das Frühstück für 8 Uhr angesetzt war und um 8:45 Uhr die erste von insgesamt drei Andachten, organisiert von uns Freiwilligen, geplant war. Während dieser wurde gebetet, gesungen oder einfach nur geschwiegen, die "Zeit der Stille", bis das DJiA-Team um Anja Schneider uns um 9:30 Uhr eine Power-Point-Präsentation über Fragen, Antworten rund um Organisatorisches usw. nahe gelegt hat. Da ich direkt vom französischen Staat unterstützt werden, ich bin nicht die Einzige, war das immer etwas anders und speziell. Zum Beispiel bekomme ich meine franz. Krankenversichertenkarte erst in Strasbourg, dafür brauche ich eine internationale Geburtsurkunde, und bin zusätzlich noch bei einer anderen deutschen Versicherung versichert. Oder ich muss die Fahrtkosten für die Zwischenseminare in Frankreich selbst übernehmen, was andere Freiwillige finanizert bekommen... diese Seminare werden jeweils Ende Januar und im Mai irgendwo in Frankreich stattfinden. Wahrscheinlich nicht in Strasbourg. Cannes wäre da schon wahrscheinlicher. Wie sehr ich mich auf diese Reisen schon freue! Alle Freiwilligen wurden nochmals über ihre Rechte, aber auch über ihre Pflichten, aufgeklärt und was wir in sogenannten "Krisen" tun können und sollten. Bei psychischen Krisen können wir uns zum Beispiel bei der Einsatzstelle oder der Entsendeorganisation (VISA) melden. Stimmt, in Frankreich gibt es auch Erdbeben und derlei Katastrophen. Nach der Präsentation war auf der Programmübersicht das Wort "Hüte" eingetragen. Was das bedeutete? Das Richard, Thomas und ich vor den Augen des Publikums vorne standen und etliche Papierhüte auf den Kopf gesetzt bekamen. Dieses Rollenspiel sollte darstellen, was von jedem Freiwilligen erwartet wird. Dass man Deutschland im Einsatzland gut repräsentieren soll, dass man Familie/Freunde verabschiedet und gleichzeitig auf dem Laufenden hält, dass man "ganz viele" Berichte für das DJiA, die ausländische Entsendeorganisation, die Vertreter der Bundesregierung oder die heimische Kirchengemeinde schreiben muss. Um nur einige zu nennen. Gut, wirklich verpflichtend ist nur ein Zwischenbericht für das DJiA, damit dieser an Dritte weitergeleitet werden kann.

Nach dieser Reizüberflutung an wichtigen Informationen gab es um 12:30 Uhr Mittagessen und in der anschließenden Pause machte sich gefühlt die Hälfte aller Seminar-Teilnehmer auf den Weg zum Wahrzeichen Eisenachs: der Wartburg! Die geschichtsträchtige Burg war mit dem Wanderweg neben dem Neulandhaus nur rund 20 Minuten entfernt und schnell bei sommerlichem Wetter erklommen. Auf dem Weg nach oben habe ich Rebecca (aus Hamburg) kennengelernt, die wie Silja nach Schweden gehen wird. Hier ein kurzer geschichtlicher Input: Zur Zeit der Reformation übersetzte Martin Luther auf der Wartburg nahe Eisenach das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche. Für eine touristische Führung in der Burg und hinein in die Lutherstube fehlte uns leider die Zeit.


Denn um 14:30 Uhr ging das Programm mit der "Einführung in die Arbeitsbereiche" weiter. Unter Arbeitsbereich verstand sich die Arbeit mit behinderten Menschen / die Arbeit mit älteren Menschen / die Arbeit im Kinderheim oder in einer Kirchengemeinde. In meinem Bereich der "Arbeit mit älteren Menschen" waren neun Freiwillige, auch einige Franzosen. Der Austausch in den einzelnen Arbeitsbereichgruppen nahm mit eineinhalb Tagen einen Großteil des 5-tägigen Seminars ein. In der ersten Fragerunde haben wir über unsere Begegnungen mit älteren Menschen, unsere Erwartungen für den Einsatz selbst und die Arbeitsbereichs-Zeit, sowie unsere Befürchtungen gesprochen. Man muss nämlich wissen, dass ein Freiwilligendienst wie wir ihn in Deutschland kennen weit weniger populär in Frankreich und die Rolle eines Freiwilligen in manchen Teilen des Landes überhaupt nicht klar ist. Viele sehen ein solches Voluntariat aus franz. Sicht als ein "nutzloses Jahr". Daraufhin haben wir gelernt wie man einen hilfbedürftigen Menschen im Altenheim von einem Stuhl auf einen anderen übersetzt, das richtige Stehen um die Balance halten zu können und wie man seinen geraden Rücken zu halten hat, damit man nicht selbst von der Arbeit krank wird. Natürlich muss jeder Patient individuell behandelt werden. Dazu muss man zunächst die Biografie der Person kennen. Auch bei dementen Menschen muss man bestimmte Regeln beachten und ganz wichtig ist es, Verständnis und Respekt zu zeigen. Menschen mit Alzheimer sollte man zudem nicht von Terroranschlägen o.Ä. berichten, da sie je nach Krankheits-Stadium ein gestörtes Zeitgefühl haben und ggf. den Eindruck kommen könnten, der Terror passiere in ihrer unmittelbaren Nähe oder erinnert sie an Zeiten des Kriegs. Bevor der anstregende Dienstag endete, hatten wir Pause und um 19 Uhr wurde gemeinsam vor dem Neulandhaus gegrillt.


Am Mittwochmorgen wurde es nach der täglichen Andacht schon früh sehr ernst. Denn wir haben in unserer Arbeitsgruppe über das Sterben, den Tod und den Abschied nachgedacht. Nicht nur über den Tod von Patienten oder Angehörigen sondern auch über unseren eigenen Tod. Auf freiwilliger Basis sollten wir Fragen bezüglich tödlicher Krankheit, Beerdigung oder der Begleitung eines Sterbenden mehr oder weniger ausführlich beantworten. Dieser Meinungsaustausch war sehr intensiv und persönlich. Obgleich jeder von uns als Freiwilliger das Recht hat zu allem "Nein" zu sagen, das wir uns nicht zutrauen wie zum Beispiel die Begleitung eines Sterbenden in seinen Tod. Es war gut und wichtig all diese schwierigen Themen anzusprechen und Befurchtungen zu äußern. Bei der Arbeit im Altenheim ist es unmöglich, den Tod eines zu pflegenden Menschens auszuschließen. Egal, ob es das Schlimmste während meines Dienstes für mich wäre oder nicht. In dieser Sitzung haben wir auch noch eine kleine Blindenführung mit Schlafmasken um das Neulandhaus gemacht, die uns allen noch einmal die veränderte Wahrnehmung und Abhängigkeit gezeigt hat. Nach dem Mittagessen stand ein längerer Ausflug in die Stadt an. Das klingt vielleicht spaßig, war es aber nicht ganz. Immerhin sind wir als Gruppe mit drei Rollstuhlfahrern die Berge hoch und runter gefahren. Besonders schwierig gestaltete sich der Abstieg für Lilly, die Thomas im Rollstuhl schob. Bergab eigentlich kein Problem, aber ohne Bremsen war das wirklich nicht einfach. Ich selbst saß ebenfalls im Rollstuhl und wurde abwechselnd von Steffi und Jule geschoben. Aus meinem sitzenden Blickwinkel heraus war die Straße ziemlich steil und ganz viele Mülltonnen standen uns im Weg. Nachdem wir mit gemeinsamer Kraft die drei Rollstuhl ein paar Treppen hinunter zum Postamt getragen hatten, das Lachen konnten wir uns zu dem Zeitpunkt schwer verkneifen, wurde es wirklich ernst. Ortrud, unsere Fachreferentin, hatte uns aufgetragen, nur selten aus dem Rollstuhl auszusteigen, damit unsere Gruppe möglichst seriös wirkte. Damit helfende Mitmenschen nach ihrer Hilfeleistung nicht verwirrt wurden, um echte Rollstuhlfahrer nicht zu verärgern. Im Notfall hätten wir uns und unsere "Selbsterfahrung mit Rollstühlen" outen müssen. Zum Glück war das nicht der Fall. Da in Eisenach viele ältere Menschen leben, sind die meisten Supermärkte und viele Geschäfte Rollstuhl-gerecht. Über einen Wochenmarkt sind wir auch gefahren. Die Einwohner mussten uns nicht zuhilfe kommen, obwohl so mancher Bürgersteig ziemlich hoch war. Trotzdem gab es ab und an schiefe und gleichzeitig neugierige Blicke. Ich persönlich habe das während meines Praktikums schlimmer erlebt. Als wir gegen 17 Uhr wieder den Aufstieg gemeistert hatten, sprachen wir noch über verschiedene Krankheiten im Alter [Apoplex, Parkinson, Altersdepression, Schwerhörigkeit etc.] und was wir schon über diese wissen. Bevor wir Franzosen mit Anja Schneider über "Stolpersteine und Brücken" in unserem Freiwilligendienst gesprochen haben, gab es zuvor am Abend noch ein schriftliches Streitgespräch über unseren Glauben. Über unsere Ängste und eventuelle Lösungen mit Anja zu sprechen, war eine wichtige Erfahrung bei der einem bewusst wurde: Wir sind alle gleich. Wir machen uns Sorgen um die fremde Sprache. Vielleicht bekommen wir Heimweh. Wie finden wir das richtige Maß zwischen unserem deutschen und französischen Leben? Aber wir sind nicht allein, wir Freiwillige haben einander gegenseitig, können uns besuchen. Die DJiA-Verantwortlichen sind da und haben so manchen Rat parat. Wir gehören alle für die nächsten Monate zusammen. Nach diesem Gespräch hat jeder von uns ein einfaches Armband bekommen, das unsere Zusammengehörigkeit symbolisieren soll. Einen "Trostpflaster"-Briefumschlag, den wir erst öffnen sollen, wenn nichts mehr geht und mit der Garantie für ein Lächeln im vielleicht traurigen Gesicht. Einen Zettel mit Tipps bei Einsamkeit, beim Abschiednehmen, bei Langeweile, bei der Sprache...
Abends habe ich mit ganz vielen anderen Freiwilligen noch das Spiel "Werwolf" gespielt.


Um 22 Uhr gab es noch eine spätere Andacht für alle Teilnehmer und eine anschließende "Traumreise", die von Julia - einer weiteren ehemaligen Freiwilligen - erzählt wurde.

Am Donnerstagmorgen, dem letzten langen Seminar-Tag, fand eine Taizé-Andacht statt. Das Thema des Tages war "Interkulturelles Lernen" und am Vormittag spielten wir das piel "Delta meets Caro". Ein Spiel mit zwei komplett verschiedenen Stammeskulturen. Ich gehörte den "Deltas" an, die die Dreiecksform als heilig ansahen, in deren Kultur Männer keine Rechte hatten und nicht einen Gedanken fassen durften. Also absolut keine Gleichberechtigung. Die "Deltas" kannten auch kein Obst oder Gemüse. Eigentlich kein Problem sollte man meinen. Eigentlich. Denn ich bekam ein blaues Stoffband, das zeigte, dass ich zu den Delta-Männern gehörte und somit nur ausführende Kraft war. Den Mund immer zu halten und seine Ideen nicht einzubringen war nicht einfach! Die "Caros" waren das Gegenteil zu uns. In mehreren Phasen trafen beide "Stämme" aufeinander, sollten miteinander handeln. Anfangs versuchten die Deltas mit aller Macht ihre Dreiecks-Konstruktion zu verteidigen, die die Caros umformen wollten. Irgendwann hat der Kulturaustausch mit Händen und Füßen - niemand durfte miteinander reden - geklappt und dieses Spiel basierte auf den Themen Anpassung, Fremd- und Eigenwahrnehmung.
Nach dem Mittag haben wir Franzosen in der Pause nochmal unser Lied für den "Bunten Abend" einstudiert, sowie ein weiteres Lied, das wir vorsingen wollten. Nachmittags habe ich mit DJiA-Teammitglied Karo in einer bunt gemischten Gruppe das "Interkulturelle Lernen" auf eine andere Art und Weise kennen gelernt. Wir haben einen Einblick bekommen wie man eine Kultur "charakterisieren" kann. In mehreren Rollenspielen haben wir mögliche Konfliktsituationen in der Einsatzstelle dargestellt. Ich habe beispielsweise die Leiterin einer Obdachloseneinrichtung gespielt. Zum Schluss gab es noch für jeden von uns eine Power-Flower, von der wir zunächst nicht wussten, welchen Nutzen sie hat. Letztlich sollte sie uns zeigen, wie priviligiert wir als deutsche Freiwillige im Gegensatz zu anderen sind. Selbst, wenn wir das oft gar nicht so wahrnehmen. Das hat nachdenklich gemacht.

Am Abend fand nun der "Bunte Abend" statt, den Patricia und Jonas moderierten. Von Gemeinschaftsspielen, länder-speziefischen Tänzen und Gesängen (unser franz. Chor kam sehr gut an!) über Wettessen bis hin zum Theaterspiel war alles dabei. Für die dänische Minderheit unter uns gab es zwei Ständchen mit Liedern von Otto Waalkes.

Gestern am Abreisetag wurden wir über Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, einen DJiA-internen Foto-Wettbewerb und den 19. Oktober 2011 (im Oktober dazu mehr..) aufgeklärt. Die letzte Andacht, die Entsendeandacht des DJiA-Teams, war verbunden mit einer Seminar-Rückmeldung, einem symbolischen Koffer/Schrank und Tagebüchern, die wir bekommen haben. Danach wurden noch Gruppen-Fotos geschossen, ein abschließender Segen gesprochen und sich von jedem verabschiedet. Einige werden wir Franzosen schon in einem Monat in Strasbourg wiedersehen, einige erst auf den Rückkehr-Seminaren im Herbst nächsten Jahres...

Menü-Update: DJiA
Video:
Zaz - "Je veux" (eines unserer gesungenen Lieder)
Fotos (c) privat


Dankeschön für eure Geduld, bis hier zu lesen.

Danke auch an Anja, Karo, Sarah, Leonie, Julia, Ortrud und Judith!!!

Eure Lucie ♥♥♥

Mittwoch, 29. Juni 2011

Infomappe 2011-2012


Noch 67 Tage, 30 Grad draußen und viel zu viele Informationen. Letzteres bin ich gar nicht mehr gewohnt. Die Woche nach meinem Abiball habe ich mit allem ausgefüllt, das sonst zu kurz gekommen ist: Sonnenbaden, Entspannung, Shopping, Kieler Woche, Geburtstage und organisatorische Dinge. Im Juli werde ich voraussichtlich in einer Tagespflege hospitieren, meine Art vom "DJiA-Parktikum". Und am Samstag gehts erstmal für eine Woche an die Ostsee! Nein, kein Urlaub.

Nun zur heutigen Überschrift: Ich habe heute meine Infomappe zum DJiA per Post bekommen. Darauf habe ich schon den ganzen Monat gewartet. Zum Einen ist da meine Einladung zum Eisenach-Vorbereitungsseminar im August, das im Neulandhaus stattfinden wird, drin. Zum Anderen sind da noch ganz viele andere, ausführliche und vorallem wichtige Informationen enthalten. Die Vorstellung des DJiA-Teams (im Menü wird es unter "DJiA" bald ein allgemeines Update geben), Informationen zur Kostenübernahme, Versicherung, Betreuung durch VISA, meine Pflichten und Rechte. Eine Fotogalerie der Freiwilligen aller Länder (aus Weimar sind viele dabei), einige "interne" Tipps speziell für Frankreich (Kulturunterschiede, Freizeitmöglichkeiten, das eigene Bankkonto, öffentliche Verkehrmittel usw.). Nicht zu vergessen sind die Notfallkarte, die ich immer mit mir führen sollte, und die Adressen der regionalen Krankenversicherungen....das ist wirklich eine Menge Papier zum Lesen, ich bin selbst noch nicht fertig.

Aus eigenen Interesse habe ich mich letztes Wochenende darüber informiert, welche Hotels es in meinem zukünftigen französischen "Lebensraum" gibt und wo sich diese befinden. Sehr zahlreich und fast überall! Nicht umsonst gibt es dort Berge und verschiedene Museen zu erkunden. Wahrscheinlich traut sich sowieso kaum einer zu mir nach Frankreich :-P
Außerdem gibt es zwei Buslinien, die durch Beaucourt führen, das war nicht gerade einfach herauszufinden. HIER gehts zur regionalen Übersicht. Mittlerweile kann man sich Beaucourt auch bei Google Street View angucken. Allerdings nur die Hauptstraße (gelblich eingefärbt). Die Straße, in der ich leben und arbeiten werde, ist noch out of view.

Bei so vielen Informationen habe ich glatt eine vergessen - bald ist entschieden, ob ich eine finanzielle Förderung bezüglich meines DJiA-Beitrags bekomme oder nicht. In einer der letzten E-Mails stand, dass ich wahrscheinlich einen "service civique" mache und somit vom französischen Staat in Teilen gefördert werde. Das ist doch mal eine Nachricht!

Quellen: Google Maps | neulandhaus.de | ctpm.fr
Foto: privat

Ganz liebe, sommerliche Grüße,
eure Lucie

Donnerstag, 26. Mai 2011

Run through 101 days

Gestern Morgen saß ich erst gelangweilt in der Schule, dann mit schlotternden Knien und mit zwei blauen Augen vor meinen schriftlichen Abiturnoten.
Meine Klasse, die größte des gesamten Jahrgangs, war als erstes bei der Notenvergabe dran. Alles in allem bin ich durchaus zufrieden mit meinem passablen Notendurchschnitt, aber das wichtigste ist, dass ich mein Abi schon nach den schriftlichen Prüfungen in der Tasche habe. Meine mündliche Prüfung in Französisch wird easy-going und ist eigentlich nur für die Galerie. Wie dem auch sei.
Nachmittags habe ich auch noch eine E-Mail von der DJiA bekommen. Ich weiß nun genau, wer mit mir oder auch ohne mich, wohin fährt. Insgesamt sind wir 153 Freiwillige und die Länder reichen von Argentinien über Kamerun bis nach Indien. Ein paar Hamburger sind auch dabei. Außerdem weiß ich jetzt mehr über die Reisekosten, die ich selbst tragen muss, wann mein Vorbereitungseminar in Eisenach anfängt und endet und wann ich nach Frankreich reisen soll! Das ist voraussätzlich Montag, den 5. September 2011. Heißt mir bleiben noch 101 Tage, der Countdown läuft in der linken Sidebar.... genau bestätigt werden muss das noch von VISA. Mein Auslandseinsatz endet demnach am 30. Juni 2012 - da hat mich Deutschland wieder! Bis Ende Juni diesen Jahres - also neben meiner letzten Prüfung und meinem Abiball - bekomme ich eine Infomappe bezüglich meines Dientes zugeschickt. Das ist alles sehr aufregend gewesen gestern. Ich stöber gerade noch in unserem Abibuch. Ich habs so gut wie geschafft, ich kann neu beginnen!

P.S.: Man schaffst sein Abi auch ganz ohne Mathematik!

Video: "Set fire to the rain" von Adele

Liebe Grüße, Lucie :-)

Dienstag, 19. April 2011

Osterferien

...sind genau der richtige Zeitpunkt, um aufzuräumen. Das hab ich heute in meinen eigenen vier Wänden getan und das, obwohl so schönes Wetter war! Dafür habe ich die letzten zwei Tage "Sonnenanbeterin" gespielt. Ich bin auch schon ein bisschen braun. Wie verbringe ich die freien Tage vor Ostern sonst so? Nunja eigentlich gäbe es genug noch für die Schule zu tun. Gleichzeitig sind es die letzten Schulferien, die ich je haben werde. Na wenigstens bin ich mit meiner Französisch-Lektüre "Anne ici - Sélima là-bas" (zu deut.: "Anne hier - Sélima da unten") von Marie Féraud, über die ich in der mündlichen Prüfung reden muss, schon fast fertig. Der DJiA habe ich heute auch geschrieben. Unzwar habe ich mich für das Vorbereitungsseminar im August entschieden.


Video: "Rolling in the Deep" von Adele
Quelle: amazon.de

Ganz viele Grüße,
eure Lucie ♥♥♥

Mittwoch, 16. Februar 2011

Ich bin dabei!

Hallo ihr Lieben, wie ihr seht gibt es auf meinem Blog jetzt ein neues Design. Wie gefällt es Euch? - "Ich bin dabei". Ja, ihr habt richtig gelesen. Heute habe ich per E-Mail eine Zusage zu meinem DJiA in Frankreich bekommen. Bei der momentanen Wetterlage braucht der Post-Weg wohl bis morgen, schätze ich. In den nächsten Wochen heißt es nun für mich warten. Warten auf meine Einsatzstelle, die von der französischen Partnerorganisation ausgesucht wird. Wo ich dann genau in Frankreich lande und wie ich eingesetzt werde, erfahrt ihr, wenn es soweit ist ;-) Ich hoffe, ihr freut Euch mit mir! neues Video: Lena - "Mama told me" ("Good News); Freitag - 20:15 Uhr - USFD Finale Ganz liebe Grüße von eurer glücklichen Lucie ♥

Freitag, 11. Februar 2011

Windiges Weimar

Heute vor einer Woche hätte ich Laure in Berlin besuchen können. Nein, von Berlin habe ich wirklich nicht mehr gesehen als den Bahnsteig. Mit dem Zug nach Frankfurt/Main ging es über Halle/Saale in die Kulturstadt Europas von 1999 - Weimar. Während der viereinhalbstündigen Fahrt habe ich leider keine anderen Bewerber/innen getroffen. Alles hat gut geklappt und um 15 Uhr bin ich am Kulturbahnhof von Weimar ausgestiegen, das Wetter war trocken aber bedeckt. Da das Auswahlseminar erst um 17 Uhr anfangen sollte, hatte ich genügend Zeit, um die Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte zu finden. Ein kurzer Blick auf den Stadtplan verriet mir, dass ich nur zwei Hauptstraßen folgen musste. Nach mehreren "Auf- und Abstiegen" über gepflasterte Grund, dabei folgte mir ein anderes Mädchen mit Koffer, hatte ich den besagten Veranstaltungsort gefunden. Gut eine Stunde früher als geplant stand ich also an der Rezeption und gesellte mich zu anderen Bewerber/innen aus ganz Deutschland. Erste Kontakte zu Gleichgesinnten, die für Frankreich eingeladen worden waren, waren somit geknüpft.
Punkt 17 Uhr begrüßten uns einige der ehemaligen Frewilligen vom DJiA im Foyer und wir unterschrieben unsere Seminar-Teilnahme, bekamen Namensschilder mit passender Landesflagge sowie unsere Zimmerschlüssel. Unsere 2er und 3er-Zimmer befanden sich in unterschiedlichen Gartenhäusern. Fix wie ich war, bekam ich den ersten Schlüssel, nahm meinen Koffer und machte mich kurz darauf auf den Weg. Ich wohnte im gelben Gartenhaus, im ersten Zimmer. Als ich mit einem freundlichen "Hallo" durch die Zimmertür trat, waren Carolin und Charlene (beide England) aus der Nähe von Bielefeld schon da. Bis zum Abendessen um 18 Uhr lernten wir uns kennen, richteten uns ein und suchten nach einem Supermarkt. Ja, Carolin hatte ihre Zahnbürste vergessen. Den einzigen Fehler, den wir drei gemacht haben, war in die falsche Richtung zu gehen. Plötzlich waren wir nicht auf der Suche nach einem Supermarkt, sondern nach dem Weg aus einem Wohngebiet! Wir liefen wieder zurück, kauften im Weimarer Atrium schließlich ein und waren pünktlich zum Essen in der EJBW. Während des Essens lernten wir Veronica (England) aus Dresden, Carolin und Judith (beide Frankreich) kennen. Anschließend wurden wir im Plenum offiziell vom DJiA-Team begrüßt. Auch die Vertreter/innen der Partner aus Großbritannien, Frankreich und Polen waren da. Aus England kamen u.A. David, Veronica und Lucy, aber ich konnte mich leider nicht genauer mit ihnen auseinandersetzen. Meine französischen Ansprechpartner waren Susanne, Marguerite und Yve, der uns herzlich begrüßte und gleichzeitig klarstellte, er könne kein einziges Wort Deutsch! ;-) Allgemeines Gelächter. Nach der Power Point-Präsentation über das bevorstehende Seminar musste die Stimmung etwas aufgelockert werden. Diejenigen, die etwas Bammel vor den sogenannten "Interviews" am Samstag hatten, wurde versichert, es bestehe keinerlei Prüfungssituation während des Seminars - man wolle sich nur gegenseitig kennenlernen. Ob diese Beschwichtigungen wirklich geholfen und die Nervosität nicht eher gestützt haben, weiß ich nicht. Der Ice-Breaker sollte für Entspannung sorgen. Das Spiel des "rassenden Reporters" - eine Art Frage-Antwort-Spiel - bot die Möglichkeit, den Großteil der rund siebzig Bewerber/innen zumindest einmal persönlich zu Gesicht zu bekommen. Ich war ganz froh, weil es mir schien als ob die England-Bewerber bis zu diesem Zeitpunkt in der Überzahl seien. Dem war zum Glück nicht so. Jakob aus Hamburg, in meinen Augen ein etwas überdrehter 17-jähriger, hat das Spiel letztendlich gewonnen. Anschließend wurden wir länderspeziefisch in kleine Gruppen eingeteilt, um selbstständig unsere Erwartungen/Fragen zum Seminar und DJiA zusammenzutragen. Es war ungefähr halb 22 Uhr als wir am Freitagabend noch einmal alle zusammenkamen, das Erarbeitete besprochen haben (genaue Antworten bekamen wir erst am Sonntagvormittag) und uns dann in die Freizeit verabschiedeten. Am Samstagmorgen war das Frühstück für 8 Uhr angesetzt. An dieser Stelle muss man sagen, dass die Mahlzeiten in der Mensa besser waren als in sonstigen Jugendherbergen, die man kennt. Nicht nur wir Bewerber, auch das Team und die Partner waren anwesend. Um halb 9 Uhr begann der zweite Seminartag - mit einer Andacht und viel Singen. Der weitere Tagesablauf wurde kurz von Kristin und Anne, den beiden Team-Leadern, erläutert. Eine gute halbe Stunde später ging es für die Franzosen und mich in die große gelbe Villa, in der sich die französische Partnerorganisation nebst den ehemaligen Frewilligen Moritz und Louise vorstellten. "VISA" (Volontariat International au Service des Autres) heißt das Programm mit Einrichtungen wie Schulen, Kirchengemeinden, Kindern, Begegnungsstätten, Krankenhäusern und Archen. Wir wurden über Arbeitsbedingungen, Voraussetzungen, Urlaubstage u.A. informiert. Wieder gab es die Gelegenheit Fragen loszuwerden, Infomaterial einzuholen und persönliche Schilderungen zu hören. Auch wenn Yve relativ langsam und verständlich gesprochen hat, war es mir und anderen unmöglich jedes Detail zu verstehen. Vor dem Mittagessen um 12 Uhr haben sich alle Bewerber/innen ein weiteres Mal von einander getrennt, um sich die Erfahrungsberichte der Freiwilligen anzuhören, für die man sich am Vorabend eingetragen hatte. Wichtig war hierbei insgesamt zwei Einsatzstellen kennenzulernen. Eines, für das man sich interessierte und ein Anderes, das eher nicht zu den Favouriten gehörte. Bei Björn, der 2009/2010 in Großbritannien war, informierte ich mich über die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Bei Anne, die vor ein paar Jahren ebenfalls in Großbritannien war, informierte ich mich über die Arbeit in einer Behinderten-Einrichtung. Am liebsten hätte ich natürlich bei jeder der Einsatzstellen reingehört! Während des Mittagsessens gab es selbstverständlich nur ein Thema: die Interviews, die den Nachmittag von 13 bis 17 Uhr beanspruchten. Meine Mitbewohnerin Carolin zum Beispiel war gleich nach dem Essen beim Interview mit Victoria dran. Ich machte mir um die Uhrzeit noch keinen Stress. Die aushängende Liste zeigte, dass ich erst um 16 Uhr bei Marguerite und Moritz im roten Gartenhaus an der Reihe war. Ja, jeder Bewerber hatte einen ehemaligen Freiwilligen zur Seite! Das Warten war einerseits ganz gut, andererseits stieg die Nervösität dadurch doch an. Um die Nervosität möglichst lange zu entkommen, habe ich mir die Füße im naheliegenden Park an der Ilm vertreten. Den Rest des Nachmittags verbrachten alle wartenden Bewerber mit der Vorbereitung des sogenannten "Bunten Abends", der für 20 Uhr geplant war. Es wurde Gitarre gespielt, gesungen, diskutiert und gelacht. Um 15:56 Uhr war es dann für mich soweit. Mein Interview begann etwas früher, weil meine Vorgängerin schon früher fertig war. Ein "Salut!" meinerseits und das Warten auf ein Zeichen, das mir sagte, ich dürfe mich setzen. Marguerite fragte mich gleich "Ca va?" - "Ca va bien!", natürlich. Mein Gespräch mit Fragen von A bis Z bezüglich meiner Bewerbung dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Mein einziger Vorteil war, dass Marguerite neben Französisch auch Deutsch konnte - und Moritz, der mir ab und an half und ansonsten nur vor sich hin grinste. Nach dem Motto "Das läuft ja alles super hier...". Als alles vorbei war ging es für mich gleich weiter zum sogenannten "Talk am Nachmittag", der sich damit beschäftigte, was ein Frewilligendienst im Sinne eines Frewilligendienstes eigentlich ist. Es ging um Helfen, Lernen, Unterstützen und Bereichern. Glücklicherweise schätzte ich alles gut ein und gehörte nicht zu denjenigen mit übertriebenen Vorstellungen, was ihren Frewilligendienst anging. Mehrmals musste Anne Hoffnungen "mit dem DJiA und meiner Unterstützung werde ich die Welt verändern" zerplatzen lassen. Bei einem Freiwilligendienst geht es eher um Engagement statt Hilfe und dem Geben und Nehmen. Auch wenn es manchmal scheinen sollte als ob die eigene Arbeit und Kraft, die man aufwendet, rein gar nichts bewirkt - für den Einzelnen bedeutend es ganz viel. Nach einem langen Nachmittag folgte ein langes Abendessen, bei dem sich selbstverständlich jeder über die Interviews unterhielt. Der "bunte Abend", der uns allen viel Spaß gemacht hat, begann mit einer kleinen Moderation. Schließlich war das abendliche Programm von uns selbst organisiert. Partnern und dem Team war somit eine Pause gegönnt. Gemeinsam haben wir viele unterhaltsame aber auch andächtige Lieder gesungen. Die musikalische wie schauspielerische Interpreatation von "Hero" von Enrique Igelesias gehörte zu den Highlights im Kerzenlicht. Gruppenspiele wie "Die Adamsfamily", "Freeze" und "Thumps up" sind empfehlenswert. Mit "Im Wagen vor mir" und der längste Kette aus Kleidungsstücken ging der Abend zuende. Für Carolin, Charlene, schätzungsweise fünfundzwanzig anderen Leuten und mich ging es noch in die Altstadt. Vielen wollte - da jetzt das Gröbste vorbei war - ein bisschen feiern gehen. Unsere Gruppe teilte sich nach einiger Zeit auf. Die Einen wollten in einen Club (später stellte sich heraus, es war eine Art Ü30-Feier) und die Anderen (mich eingeschlossen) suchten ein gemütliches Café, um einen Cocktail zu trinken. Mit meiner Zimmerbewohnerin Charlene (England), Johann (Frankreich), Annika (Frankreich; aus Hamburg), Carolin (Frankreich), Joost (England; aus Cuxhaven) und ein paar anderen blieb ich eine ganze Weile im ACC. Überraschenderweise konnte ich im Dunkeln doch noch ein bisschen Kultur genießen als wir am Bauhaus-Museum, dem Schiller-Goethe-Denkmal, dem Goethe-Café un dem Residenzschloss vorbeikamen. Am Sonntag, dem Abreisetag, mussten wir noch früher aufstehen als sonst und dementsprechend war die Nacht etwas kurz. Das Frühstück fiel auch kürzer aus, unsere selbst organisierte Andacht mit dem Vaterunser fand Gefallen und vor dem Abschied gab es eine letzte Power Point-Präsentation. In dieser ging es um die Antworten auf unsere Fragen vom Freitag, die sich zumeist während des Seminar geklärt hatten, Organisatorisches und Finanzielles. Schnell wurde ein Rückmeldungsbogen zum Seminar ausgefüllt, schon standen wir händehaltend auf der Dachterrasse und wurden für unseren zukünftigen Weg gesegnet. Nach einem aufregenden, stürmischen Wochenende ging es im Sonnenschein zurück zum Bahnhof. Um 13 Uhr kam der Zug in Richtung Zuhause. Bis Göttingen fuhr ich nicht allein., da Annika (Frankreich) mich begleitete bis sich unsere Wege trennten. Mit etwas Glück sehen wir uns im August zum Vorbereitungsseminar wieder!
Fotos (c) privat
Liebe Grüße, eure Lucie :)